Vom Spitzingsattel hört man ja so manche Geschichte, wie "Beim ersten Mal bin ich da nicht hochgekommen" - ob wahr oder nicht, es erhöht den Respekt vor dem Anstieg auf jeden Fall mal gewaltig. Angst haben und kneifen gilt aber nicht und so ist Ausprobieren das Motto der Stunde. Danach weiß ich wenigstens woran ich bin. So hab ich mir einen freien Tag mit schönen Wetter ausgesucht und bin Frühmorgens zum Spitzengsattel gefahren. Zumindest einmal sollte er erklommen werden.
Strahlend blauer Himmel und warme 26 Grad erwarteten mich am Parkplatz unterhalb des Aufstiegs. Voller Tatendrang hab ich das Rennrad aus dem Kofferraum geholt und wieder zusammen montiert, alles startklar gemacht und los konnte es gehen. Auf dem Parkplatz war noch ein anderes Pärchen am Vorbereiten der Ihrigen Tour. Ein kurzer Plausch über den heftigen Anstieg und ob wir uns zum Triathlon im September wiedersehen würden. Ich gab unumwunden zu, dass ich es noch nicht so genau wüsste, und das von den heutigen Ergebnissen abhängig machen würde. Wir wünschten uns noch viel Spass für den Tag und die beiden entschwanden in eine andere Richtung.
Für mich stand nun die Rampe auf dem Programm. Gemütlich einrollen ist nicht. Gleich nach dem Parkplatz geht’s schon mit 9% Steigung los. Also Vorne gleich auf das kleine Ritzel geschalten und langsam mit nicht zu viel Krafteinsatz los geradelt. Ruhiges gleichmäßiges treten und nur nicht an das Denken was noch vor mir liegt. Die ersten 100 HM sind geschafft, auf dem hinteren Ritzel ist nur noch ein leichterer Gang drauf und es ist sack anstrengend.
Der Puls ist bei gefühlten 100%, schneller geht’s wirklich nicht und langsam fangen die Beine an zu brennen. Auf etwa der Hälfte überhole ich ein eine etwas älteren Mountainbiker, der hat aber noch deutlich mehr Gänge zur Verfügung. Ich hab inzwischen auf die kleinste Übersetzung schalten müssen. Dann lichtet sich der Wald und es ist nicht mehr so weit bis zum Sattel. Dennoch, dieses Stück zieht sich. Oben angekommen bin ich außer Puste und platt, aber ich hab's in einem Rutsch geschafft.
Nach
kurzer Pause wieder hinunter gerollt zum Ausgangspunkt. Am Auto etwas
Energie und Flüssigkeit getankt und auf ging’s zum zweiten Anlauf. Jetzt
war die erste Anstrengung deutlich zu spüren. Schon nach den ersten 100
HM bin ich auf dem kleinsten Gang. Da heißt es nun Zähne
zusammenbeißen. Ab der Hälfte laufe ich im Roten Drehzahlbereich. Alles
brennt und da sind keine Reserven mehr in den Beinen. Ich muss schon des
Öfteren quer zur Fahrbahn fahren, da hilft jetzt nur noch der Wille.Von Hinten kommt langsam ein anderer Rennradfahrer ran. Der wird mich noch vor oben kassiert haben. Der Wald lichtet sich wieder und ich weiß, dass es bald geschafft ist. Immer mal wieder ein Querpassage eingeschoben, das entlastet. Als ich überholt werde entpuppt sich der Fahrer als Fahrerin. Sie begrüßt mich lächelnd mit den Worten "Ganz schön Taff hier, nicht?". Ich kann Ihr nur wortlos nickend bestätigen. Und dann hab auch ich es endlich geschafft. Völlig am Ende, mit weichen Knien leg ich mich auf den Parkplatz. Das war‘s für heute. Nachdem ich wieder bei Kräften bin noch ein Bild geschossen und ab geht’s zum Auto und Richtung München.
Spitzingsattel - ganz schön Taff - Yes!

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