Gestern hatte ich meinen ersten wirklichen Nebellauf. Nicht dass ich noch keinen Nebel beim Laufen hatte, auch dieses Jahr schon, aber das war immer wenn es schon Dunkel war. Im Dunkeln sieht man eh nicht so weit, so dass das spezielle Gefühl bzw. Stimmung eben nicht aufkommt.
Samstag bin ich nun am frühen Nachmittag losgelaufen und hatte mich für die offene Feldrunde entschieden, da kaum Wind war. Allerdings hing der Nebel sehr tief und es war kaum 20 Meter weit zu sehen. Eine trübe weiße Suppe um gab mich. Zu hören war auch kaum was, eine eigenartige Stille aber nicht so wie im Schnee, irgendwie anders. Es war so als wenn Geräuschwolken vorbeiziehen und dann wieder weg sind.
Auf dem ersten kleinen Stück musste ich noch mächtig auf die entgegen kommenden Autos aufpassen, diese waren erst sehr spät zu sehen und somit ich wahrscheinlich auch für sie. Aber ab dem Pferdestall ging es links ab auf den langen Feldweg. Ich hörte noch die Kommandos der Reitlehrer vom Reitplatz, die sie Ihren Pferden gaben. Sah kurz den Hengst in der Koppel an mir vorbei galoppieren. Das nächste Kommando war nur noch entfernt zu hören und ich war allein auf der Runde mit dem Weiß um mich herum. Nichts war zu hören, keine Tiere, keine entfernte Autos oder sonst etwas, nur meine Laufschritte waren auf dem Schotter gleichmäßig zu vernehmen.
So ging es eine Weile in Gedanken versunken dahin. Dann zeichnete sich langsam schemenhaft ein scheuendes Pferd mit Reiter vor dem Hintergrund ab. Ich konnte den Reiter abstiegen sehen, aber das Pferd scheute noch immer, trotz dass die Reiterin es liebevoll am Kopf streichelte.
Als ich vorbei lief sagte Sie fast entschuldigend, dass er noch sehr jung wäre und sich im Nebel fürchtete, der Arme. Noch ein paar nette Worte gewechselt und sie verschwanden wieder im Nebel hinter mir.
Dann kam mir eine Frau mit Ihrem Hund entgegen. Sie versuchte Ihrem Racker ein paar Tricks beizubringen, was auch ganz gut klappte. Oder war der Große nur hinter den Leckerlie her? Die jeden Fall gab es reichlich nach jeder vollbrachten Übung.
Auf einmal war ein riesiger Jubel zu hören. Er kam aus Richtung Fußballplatz. Die Heimmannschaft des Nachbardorfes muss wohl das Lokalderby gewonnen haben. Bald darauf ist es wieder Ruhig und ein dampfender Misthaufen taucht am Wegesrand auf. Komisch es riecht heute gar nicht. Nur ein paar Vögel haben dort wohl was Interessantes entdeckt und umkreisen selbigen im Flug.
Schon hab ich mehr als die Hälfte der Strecke geschafft und es macht noch richtig Spaß zu laufen.
Ich laufe an zwei verspielten Hunden, die sich nur für sich interessieren vorbei und kurz darauf kommen auch schon die Herrchen aus dem Nebel in Sichtweite, die so vertieft in Ihr Gespräch sind dass Sie mich gar nicht bemerken. Erst als ich grüßend vorbeilaufe blicken sie sich erschrocken um.
Am Sportplatz, wo eben noch der Siegesjubel der Fußballfans zu hören war, spielen jetzt Kinder und versuchen den Siegtreffer nachzustellen. Der kleine Steppke im riesigen 7 Meter Tor hat keine Chance aber er hechtet dennoch tapfer jedem Ball hinterher.
Am Waldsee ist die Stimmung dann besonders romantisch. Nebelschwarten ziehen über das Wasser, der Wasserdampf der langsam aufsteigt, der einsame See im Wald. Nur schemenhaft ist das andre Ufer mit den Bäumen zu erkennen, eine friedliche Stille umgibt alles. Es sieht aus wie eine verwunschene Märchenlandschaft. Irgendwie eine total eindrucksvolle Stimmung.
Als ich dann Junge Mädchen auf Ihren Pferden sehe, die sich ganz aufgeregt von Ihren neuesten Erlebnissen erzählen weiß ich, dass die Runde nun gleich zu Ende ist.
Am Pferdehof links ab und noch über die Brücke drüber und schon ist es geschafft.
Schade eigentlich, denn heute ist ein ganz besonders schöner Tag zum Laufen.