HM in 1:58 - wow was für ein Tag. Gestern noch Zweifel, ob ich überhaupt starten könnte oder sollte und heute eine Zeit mit knapp unter zwei Stunden aufs Parkett gelegt. Und das bei dem Traffic Jam der teilweise auf der Strecke herrschte. Besser kann der Tag nicht sein. Absolut Happy schlürfe ich in der Sonne sitzend ein Erdinger Alkoholfrei und genieße das Treiben auf der Kaufinger Straße. Glück kann so einfach sein.Sonntag 5:40 Uhr der Wecker klingelt, das Aufstehen fällt schwer und für eine Millisekunde überlege ich liegen zu bleiben. Draußen zwitschern die Vögel und holen mich dann doch aus dem Bett - wer kann nur so eine Startzeit festlegen?
Nach dem obligatorischen Kaffee am Morgen und zwei Honigsemmeln bin ich nun gut gelaunt und freue mich auf das Rennen. Mein Knie meckert auch nicht mehr, also alles Bestens, zur Sicherheit die Kinesio-Tapes noch schnell erneuert und alles ist Prima. Sachen gepackt und los geht's.
An der S-Bahn Station sind schon die ersten Mitläufern zu sehen. Im Zug sind auch schon welche und von Station zu Station werden es mehr. Manche sind nervös, manche ganz entspannt, andere unterhalten sich aufgeregt oder machen Späßchen untereinander.
Am Marienplatz ist der Zug dann wieder leer und hunderte Läufer bewegen sich Richtung Ausgang. Oben angekommen ist auch schon der Morning Men Mike zu hören und noch mehr Orange Shirts sind zu sehen. Schnell die Sachen bei der Garderobe abgegeben und rein in die Startaufstellung.
Kurz vor 8 Uhr die Stimmung steigt, yea auf geht's, der count down für die Profis ist runter gezählt und 5 min später geht's auch für uns Hobbyläufer auf die Strecke. Langsam gehend geht's Richtung Startlinie, wir wünsche uns alle noch viel Glück und Spaß und dann geht's auch schon los.
Die ersten paar Meter gilt es sich bloß nicht von dem Wahnsinns-Tempo einiger anstecken zu lassen, die sprinten als wäre nach 1000 Metern schon Schluss.
Ab Odeonsplatz steht plötzlich das Münchner Urgestein Wolfgang Ruscher am Streckenrand und feuert uns enthusiastisch an, mit wilden Armkreisen pusht er uns nach vorne und ruft uns "Ihr seid Spitze" hinterher.
Im Englischen Garten werden dann die Wege enger und das Vorankommen bleibt das ein oder andere Mal im Traffic Jam stecken. Durch die Tempowechsel wird es nicht leichter, dennoch geht's ganz gut voran. Die erste Versorgungsstelle ist bald erreicht. Nicht viel los, also gönne ich mir einen Becher, man kann ja nie wissen wie es noch wird.
Der stockende Verkehr hält so bis ca. Kilometer 7 an, ab dann wird es einfacher, obwohl noch immer unglaubliche Massen unterwegs sind. An einer Stelle kann man ziemlich weit voraus schauen aber es ist nur ein Orange Band an Läufern zu sehen.
Bei Kilometer 10 ist eine Kontrollmatte und ich schau das erste Mal auf die Zeit - 52:07 - ups, das ist verdammt schnell für den Verkehr auf der Strecke, da scheint heute was zu gehen. Schon fängt mein Kopf zu rechnen an. Die Sub 2 scheinen heute möglich, wenn ich für den letzten Kilometer nicht mehr als 7 min brauche und bis dahin unter 6 min bleibe, könnte sich das ausgehen. Das wär's ja, ungeplant PB laufen.
Die nächsten Kilometer gilt es nun die Pace solange wie möglich hoch zu halten. Gut dass ich eine Pulsuhr mit Paceangabe habe. So kann ich sofort sehen, wenn die Pace runtergeht. Kurz vor dem Aumeister gibt's wieder einen Getränkestand, wo ich mir eine Apfelschorle gönne. Ohne anzuhalten schlängle ich mich durch die anderen Läufer, greife mir einen Pappbecher und weiter geht's. Den Becher kann man oben zusammendrücken und dann super daraus trinken ohne etwas zu verschütten während des Laufens. Erfrischt geht's dann ab dem Aumeister und zurück in Richtung Innenstadt. Ich schau jetzt öfters auf die Pace (will's ja nicht vermasseln). Ich Versuch die Pace so zu halten, dass ich nicht zu nahe an die 6 min pro Kilometer rankomme und pushe mich jedes Mal ein wenig etwas schneller zu laufen. So geht das due nächsten Kilometer, bloß nicht langsamer werden. Die nächste Getränke Station lasse ich aus, da Sie viel zu überlaufen ist. Keine Zeit verlieren heißt das Motto, jede Sekunde zählt. Es sind auch nur noch 5 km bis ins Ziel. Wäre doch gelacht, das nicht zu schaffen. Und dennoch die letzten Kilometer werden schwer. Immer öfters steht die Böse 6 vorne dran und ich muss mich wieder zum Beschleunigen antreiben, was von Mal zu mal schwieriger wird.

Die letzten drei Kilometer sind unendlich lang. Die Anstrengung sitzt in den Gliedern und ich würde am liebsten aufhören. Aber dann kommt bekanntes Terrain. Hofgarten, Odeonsplatz und das Rathaus kommt in Sicht. Nur noch wenige Meter - geschafft und glücklich geht's bei 1:58 über die Ziellinie.
So jetzt schnell zum Erdinger Stand, ein Siegerbierchen trinken und die tolle Stimmung bei Sonnenschein noch ein bisschen genießen.
Mission Completed
