Samstag, 12. Mai 2012

Neoprenanzug Testschwimmen

Es ist 10:00 Uhr Samstag am Morgen, kalt und regnerisch. Ich stehe frierend auf der Wiese im Dante Schwimmbad in München. Um mich herum sind noch einige andere, die sich ebenfalls zum Testschwimmen angemeldet haben. Sport Schuster hat zum Testen von Neoprenanzügen der Marken X2U und Sailfish geladen. Das hab ich mir nicht zweimal sagen lassen und mich gleich angemeldet. Ein gescheiter Neo steht ganz oben auf der Einkaufsliste der noch zu besorgenden Dinge. Bis Juli brauch ich einen für den Tegernsee Triathlon.

Nach der Anmeldung gibt‘s als erstes einmal ein paar Anziehhinweise, wie man denn die teure Pelle am besten überstreifen sollte. Also Tüte über die Füße und auf geht's. Bis zu den Knien war's noch einfach. Dann fing der Spaß an. Immer schön vorsichtig Stück für Stück nach oben ziehen. Irgendwann ist das Teil dann über der Hüfte. Zum Glück, dass das Anziehen des Neo‘s bei den Wettkämpfen nicht mit in die Zeit eingerechnet wird, ich würde auf dem letzten Platz landen. Für Arme und Rücken benötige ich noch Hilfe von außen, aber dann hab ich mich in das Teil irgendwie eingezwängt und fühle mich wie eine Presswurst, man ist das Teil eng. Die Beweglichkeit ist derzeit noch bei fast null. Dies soll durch das Fluten des Neo’s verbessert werden, denn damit schafft man es, dass der Neo auch wirklich richtig sitzt. Also rein in den Pool und noch etwas Wasser durch den Kragen oben einlassen. Ja kaltes Wasser! Was für eine Überwindung. Den Sinn des Unterfangens merke ich gleich. Durch das Wasser, was sich gleich überall hin verteilt, rutscht der Neo an einigen Stellen noch zurecht und sitzt nun viel besser. Der Arm und Schulterbereich ist nun beweglich und nicht mehr so eingezwängt. Daher nur keine Scheu :) und rein mit dem Wasser. Wenn‘s richtig kalt ist stelle ich mir das allerdings Lustig vor. Ist der Neo erst mal geflutet geht’s noch mal raus aus dem Pool um fas überflüssiges Wasser aus dem Neoprenanzug rauzulassen. Nun kann es Endlich losgehen mit dem Testschwimmen.

Mit Neo zu schwimmen ist ein ganz anderes Gefühl als normales Schwimmen. Der stärkste Unterschied dabei die Wasserlage. Auftrieb ohne Ende lässt einfach kein Absinken der Körpermitte zu. Du liegst mit dem Neo im Wasser, wie auf einer Luftmatratze. Auf dem Rücken liegend kann ich bequem und entspannt ohne irgendwelche Anstrengung relaxen. Dementsprechend einfacher schwimmt es sich auch. Super Wasserlage, stromlinienförmiges Gleiten, ermöglicht effizientes schwimmen. Schade nur, dass den Vorteil dann alle anderen Teilnehmer auch haben. Nach vier Bahnen steht der erste Eindruck und ich gehe zum Wechseln ans Land. Dort ist es inzwischen gefühlt noch kälter und es nieselt ein ganz klein wenig. In den zweiten Neo, den sie mir zum Testen geben komme ich trotz aller Mühen nicht rein, der ist definitiv zu klein. Das erkennt dann auch der Verkäufer und meint ich sei unter Garantie ein SM Typ wie er, lacht und reicht mir die nächste Größe aus dem Sortiment. SM steht da auf dem Größenschild. "Oder was hast Du gedacht" fragt er. Dieses Modell passt auch gleich viel besser als das Erstgetestete. Der ganze Brust- und Schulterbereich sitzt nicht ganz so stramm. Er ist allerdings auch schon um einiges teurer als das andere Modell. Ich merke, wo das schon wieder hinführt.

Nun zum zweiten Hersteller, welcher heute anwesend ist. Er fragt mich, ob ich schon mal Neo geschwommen bin und die Marke Sailfish und deren Produkte kenne? Nachdem ich dies verneine gibt er mir ein Modell und sagt erst mal nichts dazu. Ich solle es Schwimmen, dann ein weiteres Modell und dann würden wir uns unterhalten. Gesagt getan und die beiden Modelle ausprobiert. Der erste war gut. Vom Gefühl her etwa in der Mitte der beiden Modelle des anderen Herstellers. Das zweite Modell war wie für mich gemacht. Der ganze Arm und Schulterbereich war sehr flexibel. Es kostete nicht so viel Kraft, die Arme zu bewegen. Einfach klasse. Von allen Modellen war das das Beste zu mir passende. Nun erklärte mir der Verkäufer auch die Unterschiede, warum sich zum Beispiel die Arme so viel einfacher bewegen lassen und warum die Wasserlage etwas ruhiger ist. Das mit den Werbeaussagen ist ja so eine Sache. Es kann dann sein, dass man es glaubt es, dass es so ist, weil man es gehört. Ich hatte es aber vorher selbst gefühlt ohne dass ich es wusste.  

Nun galt es sich zu entscheiden. Der Sailfish war noch mal teurer, als das Modell des anderen Herstellers, welches mir auch gefallen hatte. Die nächst höhere Preisklasse war „far away“ von dem, was ich bereit war auszugeben, so dass die Entscheidung nur zwischen den beiden getesteten fallen konnte. Die beiden Einsteiger Modelle von beiden Herstellern waren gut, keine Frage würden sie ihren Zweck erfüllen. Aber durch das Testen weiß ich eben, wie sich die Mittelklasse Modelle anfühlen. Und der Verkäufer von Sailfish ist echt gut, als könnte er meine Gedanken erraten sagt er „Nichts ist so Teuer wie ein Fehlkauf“ und ich verstehe schon. Frei nach dem Motto kaufe Dir gleich das Modell was Dir gefällt, sonst bereust Du es. Und er hat ja Recht. Also dieser oder der vom anderen Hersteller. Der andere ist noch mal billiger aber eben auch aus meinem Empfinden nicht ganz so gut zu mir passend. Aber so viel Geld für einen Neo – dennoch der Attack von Sailfish würde mir definitiv gefallen. Ich erbete mir Bedenkzeit bis 18:00 und lass schon mal meine Daten aufnehmen.

Nachtrag: Habe den Sailfish Attack gekauft und es nicht bereut.